Studienfahrt

Flandern und Artois: Städtelandschaft im Herzen Europas

04.07.2013 bis 11.07.2013

Dauer: 8 Tage, mit Bus

Leitung: Dr. Andreas Cante

Preis p.P. im DZ (Ü/HP) 1.395,-€

EZ-Zuschlag 231,-€

(inkl. Eintritte)

Kaum irgendwo in Europa war der Prozess der Urbanisierung schon im Mittelalter so weit fortgeschritten wie im heute teils zu Belgien, teils zu Frankreich gehörigen Flandern. Gent entwickelte sich schon im 11. Jh. zu einem europäischen Zentrum der Textilproduktion. Brügge, seit 1134 über den Zwin mit der Nordsee verbunden, stieg zur Drehscheibe des internationalen Handels auf. Das Selbstbewusstsein der reichen Kommunen spiegeln bis heute die imposanten Belfriede wider – Stadttürme, die mit den Turmbauten großer Kathedralen wetteifern. Das älteste erhaltene Bauwerk dieser Art steht in Tournai, einer Stadt in der Nachbargrafschaft Hennegau, die wie der größte Teil Flanderns im Mittelalter außerhalb der Reichsgrenzen lag und der französischen Krone unterstand. Als die Grafschaften Flandern und Artois 1384 an den Burgunderherzog fielen, wurden sie in die große Auseinandersetzung zwischen Burgund und England auf der einen und Frankreich auf der anderen Seite hineingezogen. Trotz der bewegten Zeitläufte erlebte die Region in der Ära der „großen Herzöge“ eine beispiellose Kunstblüte. Maler wie Jan van Eyck und Hans Memling in Brügge, Rogier van der Weyden aus Tournai und Hugo van der Goes aus Gent revolutionierten die Malerei durch eine bis dahin unerreichte Naturnähe ihrer Menschen-, Interieur- und Landschaftsdarstellung und genossen selbst in Italien hohes Ansehen. Ihre Werke in den Kirchen und Museen der Region, vor allem im Groeninge-Museum und im Sint-Janshospitaal in Brügge, stellen einen Schwerpunkt unserer Besichtigungen dar. Weniger bekannt sind die Werke frankoflämischer Bildhauerkunst des 14./15. Jhs., etwa die erlesene Statue der heiligen Katharina von André Beauneveau in Kortrijk.

Im 15./16. Jh. führte die Versandung des Zwin zu einer Verlagerung des Handels nach Antwerpen. Der Bedeutungsverlust Brügges hatte zur Folge, dass sich das Bild einer spätmittelalterlichen Großstadt nördlich der Alpen nirgendwo sonst so authentisch erhalten hat. Es sind indes nicht nur Brügge und Gent, die den Reiz der Region ausmachen. Ypern mit seinen imposanten Tuchhallen und Arras in der Grafschaft Artois mit einem der eindrucksvollsten Stadtplätze Europas dürfen nicht fehlen. Beide Städte sind zugleich Zeugnisse engagierten Wiederaufbaus nach den Verheerungen des Ersten Weltkriegs. Lille, heute Zentrum einer nordfranzösischen Metropolregion von 3,5 Mio Einwohnern, fasziniert mit seiner Alten Börse aus dem 17. Jh. sowie einem Belfried und großen Repräsentationsbauten der Belle Époque. Im Palais des Beaux-Arts bewundern wir eine Reihe grandioser Altarbilder, die die Antwerpener Maler Rubens und van Dyckfür westflandrische Städte geschaffen haben. Ein Abstecher führt uns nach Calais, das 1347-1558 zu England gehörte und durch Auguste Rodins Denkmal der „Bürger von Calais“ in die Kunstgeschichte einging. Im belgischen Seebad Oostende lernen wir das Wohnhaus und Gemälde des eigenwilligen Symbolisten James Ensor und seiner Zeitgenossen kennen. Und aus neuerer Zeit beeindrucken die steinernen Bildwerke Eugène Dodeignes im Skulpturenpark von Dünkirchen.

 

PROGRAMM (Änderungen und Umstellungen vorbehalten!

Do 4.7.
Busfahrt Hamburg – Gent; Hotelbezug (zentrales 4-Sterne-Haus); erster Stadtrundgang.

Fr 5.7.
Gent: Belfried, Nikolauskirche, Graslei, Gravensteen, Vlasmarkt; nachmittags Abtei St. Bavo und Bavokathedrale mit Genter Altar (Besichtigung bei laufender Restaurierung).

Sa 6.7.
St-Omer: Kathedrale; Calais: Auguste Rodins Denkmal der „Bürger von Calais“, Musée des Beaux-Arts (Schwerpunkt: französische Skulptur des 19. Jhs.); Dunkerque (Dünkirchen): Skulpturengarten.

So 7.7.
Brugge (Brügge): Groeninge-Museum (Schwerpunkt: altniederländische Malerei), Rathaus, Belfried; nachmittags: Kirchen, St. Janshospital mit Memlingmuseum.

Mo 8.7.
Arras: Abtei St-Vaast mit Musée des Beaux-Arts (Schwerpunkte: mittelalterliche Skulptur, Camille Corot), Kathedrale, Grand’Place; Lille: Stadtrundgang, Palais des Beaux-Arts (Schwerpunkte: Stadtmodelle, flämische Barockmalerei).

Di 9.7.
Ieper (Ypern): Tuchhallen, Martinskathedrale; Oostende: Mu.ZEE (Schwerpunkte: James Ensor und Zeitgenossen), Ensorhaus; Lissewege.

Mi 10.7.
Tournai: Belfried, Kathedrale mit Schatzkammer (Schwerpunkte je nach Fortgang der Restaurierung), Musée des Beaux-Arts (Schwerpunkte: Rogier van der Weyden, Impressionisten); Kortrijk: Liebfrauenkirche.

Do 11.7.
Rückfahrt über Duisburg (Salvatorkirche) nach Hamburg.

Gracht in Brügge
Gracht in Brügge