Studienfahrt

Armenien - das Bergland zwischen den Großmächten

15.05.2014 bis 25.05.2014

Dauer: 11 Tage, mit Flugzeug/Bus

Leitung: Dr. Jochen Schröder

Preis p.P. im DZ (Ü/HP) 2.298,-€

EZ-Zuschlag 290,-€

(inkl. Eintritte)

Dass es selbst eine Großmacht war, in deren Hauptstadt sich der Mörder des Assyrerkönigs Sanherib geflüchtet hat, wie wir zufällig aus der Bibel erfahren – das ist freilich lange her. Aufgrund seines Reichtums an den gefragten Exportartikeln Obsidian und Kupfer war damals das Land auf Augenhöhe mit Assyrern und Hethitern: das Reich der Urartäer. Später sehen wir das nun so genannte Armenien zwischen den Großen der Geschichte oft unglücklich eingezwängt: Zwischen Seleukiden und Persern, zwischen Römern und Parthern, zwischen Byzanz und den arabischen Abbasiden, zwischen Seleukiden und Mongolen, zwischen Osmanen und Persern und zuletzt zwischen Türken und Russen. Die armenische Identität ist auch infolgedessen sehr stark durch ihre Kirchengeschichte geprägt: Als erster christianisierter Staat (wohl 314 durch Tridates II. und Gregor Photistes) erhielt das Land jene wunderbaren, vom Mönch Mesrop Jahrhunderte vor dem Kyrillischen für die armenische Sprache entwickelte Schrift. Auch die Ablehnung des Konzils von Chalcedon (451) stärkte das Eigenbewusstsein der nun in eigenen Synoden profilierten monophysitischen Kirche Armeniens.

Wunderbare Codices und eine ganz und gar erstaunliche Baukunstsind in dieser Zeit entstanden, die ihresgleichen auf der Welt nicht hat: Aus dem roten Stein des Landes wurden Kirchen errichtet, die erst wieder mit der romanischen Baukunst des 11. Jhs. verglichen werden können, technisch der mittelbyzantinischen Backsteinarchitektur weit überlegen und in einer ganz eigenen Tradition des steinernen Flachreliefs ornamentiert. Bis ins Hochmittelalter ist diese Baukunst aus eigenem Formreichtum weitergeführt worden. Aus dieser Zeit ist auch ein umfassender Bestand an Handschriften in den Museen erhalten. Nachdem die seldschukischen Eroberungen nach der Schlacht von Manzikert Armenien von Byzanz abgeschnitten hatten, sind ihre Miniaturen vielfach von der muslimischen Ornamentik beeinflusst erscheint. Im Matenadaran, dem Handschriftenmuseum von Eriwan, sind die schönsten Exemplare zu bewundern.

Das heutige Armenien wurde im Zuge der Kriege zwischen dem zaristischen Russland, Persien und dem osmanischen Reich im 19. Jh. formiert. Der Berliner Vertrag von 1878, mit dem Bismarck sich als „ehrlicher Makler“ profilierte, zog die Grenze zwischen der westlichen Provinz um Ararat und Wan-See und der östlichen um Aragaz und Sewan-See. Im türkischen Teil wurden 1915 die Armenier als illoyale Volksgruppe massakriert („Le question arménienne n’existe plus“); der russische Teil wurde 1921 Sowjetrepublik und galt, im Prinzip, als der Winkel hinter dem Mond; seit 1991 ist die Republik Armenien selbständiger Staat mit Hauptstadt Eriwan (heute meist: Jerewan). Hier in ‚Staatsarmenien’ werden wir der Geschichte und den Kunstwerken des uralten Kulturraumes nachgehen und nicht weniger die traumhafte Natur des Landes genießen. In Etschmiadsin, das sich der ältesten christlichen Kathedrale der Welt rühmt, ist Gelegenheit zum Gottesdienstbesuch. Weitere Begegnungen (z.B. Mittagspausen in familiärem Ambiente), moderiert von unserem mehrsprachigen Reisebegleiter, sind vorgesehen.

HIERZU SEMINAR AM 24.2. (VGL. S. 9)

 

PROGRAMM (Änderungen und Umstellungen vorbehalten!)

Do 15.5.
Abendflug von Hamburg über Wien nach Jerewan (Ankunftszeit 1.35 Uhr, d.h. 3.35 Uhr Ortszeit); Hotelbezug (4 Nächte in zentralem 4-Sterne-Haus).

Fr 16.5.
Vormittag zum Ausschlafen, spätes Frühstück; Stadtrundfahrt in Jerewan und Besuch der Gedenkstätte Tsitsernakaberd.

Sa 17.5.
Besuch des Matenadaran; nachmittags Halbtagsausflug zum hellenistischen Tempel von Garni und zum Kloster Geghard.

So 18.5.
Tagesausflug nach Etschmiadsin: Möglichkeit zum Gottesdienstbesuch, Stadtrundgang mit Kathedrale und den Kirchen Surb Hripsimé und Surb Gajané; Rückfahrt nach Jerewan über Swartnoz.

Mo 19.5.
Weiterfahrt über Chor Virap, Areni und Kloster Nowarank (leichte Fußwanderung) nach Goris (2 Nächte in zentralem 3-Sterne-Haus).

Di 20.5.
Tagesausflug im Süden zum Kloster Tatew (Kabinenseilbahnfahrt) und zum Höhlendorf Chendzoresk (mittlere Fußwanderung).

Mi 21.5.
Weiterfahrt zum Sewan-See über Kloster Gndewank und Noratus (1 Nacht in 3-Sterne-Haus am See).

Do 22.5.
Besichtigung auf der Halbinsel Sewan (evtl. mit Gottesdienstbesuch), Weiterfahrt über Dilidschan und Kloster Goschawank nach Alawerdi (2 Nächte in 4-Sterne-Haus außerhalb).

Fr 23.5.
Tagesausflug zu den Klöstern Sanahin und Haghpat auf der Hochebene der Provinz Lori mit Fahrt durch die dazwischenliegende Schlucht des Debed.

Sa 24.5.
Weiterfahrt nach Aparan und die Festung Amberd (auf 2.300 m am Aragaz), Kloster Saghmosawank und Karmravor nach Jerewan (1 Übernachtung).

So 25.5.
Sehr frühmorgendlicher Transfer zum Flughafen (Abflugzeit voraussichtlich 4.25 Uhr), Rückflug nach Hamburg (über Wien).

Kathedrale von Etschmiadzin
Kathedrale von Etschmiadzin